|
Das Meteoritenkraterfeld von Kaali liegt auf der Insel Saaremaa (Ösel),
der größten Insel Estlands. Es handelt sich dabei um die Überreste
des letzten großen Meteoriten, der in einem dicht besiedelten Gebiet eingeschlagen
ist. Das Ereignis fiel in die Bronzezeit, oder wie jüngste Datierungen
nahe legen, eher an das Ende des Neolithikums (der Jungsteinzeit). Es hat deutliche
Spuren nicht nur in der Landschaft, sondern auch in den volkstümlichen
Legenden hinterlassen. Der Hauptkrater, mit einem Durchmesser von 110 m, ist
von neun kleineren Kratern umgeben. In der Bronzezeit wurde der Rand des Kraters
mit einer Befestigung gekrönt. In der Eisenzeit wurde der gesamte Krater
mit einer festen Steinmauer umgeben und wahrscheinlich als Heiligtum genutzt, der
Kratersee als Opferplatz.
Das Meteoritenkraterfeld von Kaali ist ein außergewöhnliches Phänomen,
das die Beachtung durch eine breite Öffentlichkeit in ganz Europa verdient.
Dazu dienen sowohl ein physischer Weg als auch ein virtueller Weg, der via Internet
und als interaktive CD dem Betrachter das Ausmaß der Katastrophe des Meteoriteneinschlags
auf die Natur und die damals lebenden Menschen veranschaulicht. Die Ergebnisse
der archäologischen wie geologischen Untersuchungen im Kraterfeld werden
sowohl in einem Artikel in dem gemeinsamen Buch über die europäischen
Kulturlandschaften als auch in einem eigenen Faltblatt für Touristen veröffentlicht,
der von Krater zu Krater, aber auch zu den archäologischen Denkmälern
der Umgebung führt.
Zwar existiert bereits ein physischer Weg zum Kraterfeld, doch ist hier eine
Erneuerung des Informationsmaterials nötig, das zugleich als Basis für
die geplante Ausstellung im Meteoritenmuseum dienen soll. Daneben wird der Hauptkrater
durch die Öffnung zusätzlicher Sichtachsen besser erfahrbar. Zugleich
werden Schutzbauten über den archäologischen Grabungsbefunden errichtet,
um sie zu konservieren und interessierten Besuchern zugänglich zu machen.
Forschung
Es erfolgt eine aufwendige, interdisziplinäre Forschung im Bereich des
Hauptkraters, die Geologie, Paläozoologie, Paläogeographie und Archäologie
vereint. Sie ist nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht ausgesprochen spannend,
sondern bietet mit ihren didaktischen Elementen auch eine Attraktion für
Touristen. Daher werden die Probebohrungen im Hauptkrater auch zur Hauptsaison
ausgeführt und so gestaltet, dass Touristen und interessierte Menschen
aus der Umgebung den Fortgang der Arbeiten beobachten können. Mit Hilfe
von Georadar wird nach möglichen weiteren Kratern gesucht, die heute von
Erde vollständig bedeckt sind. Die Aufnahme aller Ergebnisse und bereits
bekannter Daten in ein GIS (Computergestützte Geographische Informationssysteme)
ermöglicht nicht nur umfassende wissenschaftliche Auswertungen, sondern
bietet auch ein wichtiges Instrument für zukünftige Planungen in der
Region.
Vermittlung
Die Arbeiten an den Kulturdenkmälern und die Naturschutzmaßnahmen
im Kraterfeld sorgen auch für ein besseres Serviceangebot und bessere Bedingungen
für die Besucher. Die Vermittlung an die Öffentlichkeit erfolgt sowohl
über klassische Medien als auch über moderne Multimedia-Produktionen.
Daneben ist besonders die Betreuung von Schulklassen wichtig. Sie können
Wissensvermittlung durch attraktive Aktionen erleben und so mehr über ihre
eigene Umgebung erfahren. Sie werden die Bedeutung dieser Landschaft besser
verstehen, nachdem sie sich selbst an saisonalen oder ständigen Arbeiten
zur Erhaltung der Kulturlandschaft beteiligt haben.
Weitere Informationen zur Saarema
Project team: National Heritage Board
|
 |
|